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Morgenlauf am 19.10.2018

von Sonne und Wäldern:

Wäre man doch ein Poet (aber dann kein armer), um der Seele des Lippischen Paradieses mit Worten zumindest etwas näher zu kommen - Erreichbarkeit bleibt überhebliche Illusion (zumindest für mich) .....

Startete heute bereits in der Dämmerung. Oben auf dem Bergsporn angekommen erwartete mich ein überwältigendes Panorama. Weißer Wattenebel in den Tälern, daraus tauchen tiefgrüne Bergrücken, Windräder ohne Bodenkontakt und sich skurril formende Dampfsäulen auf. Vor mir treibt der Wind erbarmungslos einzelne um Hilfe flehende Wolkenfetzen über den Pass. Über all dem ein zartblauer Himmel mit weißlichen Wolkendörrscheiben und bereits von der Sonne angestrahlten, silbern glänzenden Flugzeugsilhouletten, hinter denen sich Kondenzstreifen kryptisch überschneiden und von unsichtbaren Strömungen getrieben, unentwirrbar verknoten. Fast frostiger Tau liegt auf allen Blättern und Gräsern. Trotz Bergspurt habe ich kalte Hände, fühle ein leichtes mystisches Frösteln und dann sehe ich, weit hinten am Horizont: diesen Sonnenaufgang! Stehe auf 'meinem' Lieblings-Baumstumpf und der allererste lasergleiche Sonnenstrahl trifft mich wie ein mit göttlicher Liebe getretener Pferdehuf voll auf die Stirn. Das erzeugte pure Sprachlosigkeit. Ein überwältigendes Gefühl, das man nicht mehr 'Gefühl' nennen kann. Der uns unnötig begrenzende Körper löste sich in undefinierbare Ätherteile auf und Du wärst nicht traurig darüber, wenn er sich nun nie wieder zusammensetzt. ("nichts, niemand, nirgends, nie", sagte ein Philosoph dazu.) Und während die Sonne mehr und mehr von sich zeigt verwandelt sie das vorher stille Meer bunter Blättern mit den glitzernden Wassertropfen an den Spitzen in ein gigantisches farbiges Kaleidoskop, das all deine bedeutungslosen Einzelteile sorgfältig aufgesaugt und in das stimmgewaltig stille morgendliche Orchester des Waldes, einem übersinnlichen Plan folgend, eingebettet hat .....

und dann: weckte mich der Lärm der Bauarbeiter .....

Nein, heute früh bin ich wirklich in der ersten Dämmerung losgelaufen. Psychologisch wäre hier einiges zu analysieren.

Vielleicht die Botschaft eines älteren Zeitgenossen, der seine zunehmenden orgastischen Begrenzungen durch übersteigertes Empfinden der Natur und anschließender Geschwafeleruption kompensiert.

Oder aber, das ist mir erst im Schutz meiner luft- und geruchsdämmenden Wohnung aufgefallen. Zwei der aus dem Nichts aufsteigenden Dampfsäulen gehörten der Zuckerfabrik. Da der Wind aus Richtung Lage herüberwehte, lag eine unsichtbare feine melassegeschwängerte Duftnote über der morgendlichen Landschaft. Wer sich für die verwirrenden Auswirkungen dieses süßlichen Kampagnetones auf die Menschen in Lippe interessiert, kann jetzt einfach erneut diesen Text lesen.


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